Mir zur Feier – Mir zur Feier

Die Band „Mir zur Feier“ haben wir bereits mehrmals live erleben dürfen, aber jetzt endlich liegt uns ihr erstes Studioalbum vor. Das da heißt: „Mir zur Feier.“

In ihren Songs vertonen die vier Mitglieder düstere, lyrische Gedichte von Rainer Maria Rilke und machen daraus eine Mischung aus Metalcore und Death Metal. Ein ungewöhnliches Konzept, das aber voll und ganz aufgeht. Sängerin Mara Bach beeindruckt mit einer unglaublichen Stimmgewalt und vielen unterschiedlichen Tonlagen. Sie growlt, schreit, brüllt oder singt vollkommen klar ins Mikro. Ihre Bandkollegen Daniel Vorkamp, Leo Brömer und René Meistrell holen alles aus ihren Instrumenten raus. Bei den bereits erwähnten Konzerten denke ich jedes Mal, dass „Mir zur Feier“ eher nach einer Gruppe aussieht, mit der man sich zu Kaffee und Kuchen trifft. Bis sie sich auf der Bühne in eine Bande wildgewordener Axtmörder verwandeln. Aber anstatt panisch den Raum zu verlassen, verfolgt man ihre Show, bei der ich auch jedes Mal denke, dass eigentlich nur noch Pyroeffekte und große Kulissen fehlen. Denn das Bielefelder Quartett erinnert mich ein klein wenig an „Rammstein“, was als großes Kompliment gemeint ist.

 

Müsste ich einen der zehn Songs als Favoriten wählen, würde meine Wahl auf „Totentanz“ fallen. Und dabei streift er knapp an „Städte“ vorbei. Jedoch gibt es hier eigentlich keinen schlechten Track. Jeder einzelne geht direkt nach vorne, ist aggressiv, durchdacht und düster. Kurz gesagt: Die Scheibe macht richtig Spaß.

Auch live ein wahres Fest. Oder eine Feier. Wie ihr wollt.

(Thomas Williams)


Mosayk & Tobzen – Hinter den Spiegeln

Wenn ein Album so dermaßen gut ist, dass unserem Rezensenten Ben Fuchs die Worte fehlen, muss es sich wohl um „Hinter den Spiegeln“ von Mosayk & Tobzen aus Bielefeld handeln. Pünktlich zum morgigen Release konnte er zum Glück doch noch seine Eindrücke niederschreiben. Vielen herzlichen Dank dafür! 

 

Bereits vor dem Hören des neuen Albums „Hinter den Spiegeln“ von Mosayk und Tobzen stellte ich mir persönlich die Frage: Was macht eigentlich ein gutes Deutschrap-Album aus? Zunächst dachte ich dabei an die Stimme des Künstlers sowie an passende Beats, die eine entspreche Stimmung 

möglichst gut untermalen sollten. Elf Tracks später, nach dem Hören von „Hinter den Spiegeln“, weiß ich, dass durch diese beiden Faktoren ein gutes Album zustande kommen kann. Was es allerdings (für mich) zu einem wahren Kunstwerk macht, ist, nach etwa 30 Minuten Lebenszeit das Gefühl zu haben, den Künstler schon ewig persönlich zu kennen. Dies gelingt der neuen Platte von Mosayk und Tobzen.

 

Mosayk sorgt für herausragende Beats und Cuts, deren Sound sich von der Masse abhebt und Tobzen mit seiner markanten Stimme und dem Talent eines Dichters für den Rest. Inhaltlich stehen dabei Themen wie die Dunkelheit des Winters, vermehrter Alkoholkonsum, Alice im Wunderland und letzten Endes die Suche nach sich selbst im Vordergrund.

 

Kein Wunder also, dass bereits die beiden bekannten Onlineshops Vinyl-Digital und HHV auf das Album aufmerksam wurden, und es dieses ab sofort u. a. dort zu bestellen gibt. Alternativ ist die Platte ebenfalls via Bandcamp sowie auf den gängigen Streaming-Plattformen verfügbar.

 

Meine Lieblingstracks: Anthrazit, Das Ende vom Lied, Fluss. (Ben Fuchs)

 

„Hinter den Spiegeln“ 
auf Bandcamp
bei Vinyl Digital

bei HHV


der kalavier – Live at Pianeo

Happy Release Day derkalavier. Nach dem Re-Release seines Boom-Trap-Tapes „In der Höhle des Kalaviers“ im Vormonat steht heute mit „Live at Pianeo“ bereits die nächste Veröffentlichung an. Und wenn wir es nicht besser wüssten, hätten wir hinter den Solo-Piano-Stücken garantiert einen anderen Künstler vermutet, da hier eine ganz andere Seite des Künstlers zum Vorschein kommt. 

 

Die Aufnahmen von „Live at Pianeo“ entstanden bei einem Konzert in einer großen Kirche im Rahmen des Festivals für Neoklassik 2018, wo drei Stücke seines Solopiano Debütalbums „Phosphene“ aus dem Jahr 2017 dargeboten wurden. Statt eines festen Ablaufs orientiert sich die Musik an Stimmungen, einzelnen Elementen, Melodien oder Harmonien. So wird jede Aufführung desselben Werkes zu etwas Neuem und ist auch für den Instrumentalisten jedes Mal aufs Neue eine bewegende Entdeckungsreise statt stumpfes Reproduzieren von bereits Gehörtem.

 

Bereits im Kindesalter begeistert derkalavier mit freien Klavierstücken, die phantasievolle Bilder vor dem inneren Auge der Zuhörerschaft erzeugen. Bald darauf komponiert er für Theaterstücke und beginnt, eigene Werke aufzuschreiben. Während des Studiums spielt er als Pianist mit ausschließlich eigenem Repertoire auf Festivals und Konzerten von Hanoi über Peking bis Berlin. Gleichzeitig erarbeitet er sich durch Kooperationen mit etablierten Producern und Rappern einen Namen in der HipHop Szene. 

 

derkalavier befindet sich ab sofort auf Tour. „Live at Pianeo“ ist auf den gängigen Portalen verfügbar.

(aw/PR)


The Tex Avery Syndrome – Origin

Es gibt Neuigkeiten vom Bielefelder Label Noizgate Records. Am 4. Oktober erscheint „Origin“ von The Tex Avery Syndrome. Thomas hat sich die Platte vorab angehört:

 

Eins sag ich euch: Mit Frontfrau Laura Gierl solltet ihr keinen Streit anfangen. Glaubt ihr nicht? Dann hört mal in das Debütalbum ihrer Band The Tex Avery Syndrome rein. Die Frankfurter Fünfercombo entleiht ihren Bandnamen dem legendären amerikanischen Cartoonisten Tex Avery, der einst weltbekannte Figuren wie Bugs Bunny, Duffy Duck oder Schweinchen Dick prägte. Und ähnlich rasant wie dessen Trickfilme geht auch diese Band ab. Ihre neue Scheibe hört auf den Namen „Origin“. Sehr passend für das erste Full Length Album. 2015 veröffentlichten sie bereits eine EP namens „Wolfcity“. In den neuen zwölf Songs können sie nun endgültig beweisen, wie vielseitig ihre Band ist. 

 

Klargesang sucht man vergeblich. Laura shoutet und growlt während jedem Lied alles in Grund und Boden. Sogar in „Pulling Teeth“, das wie eine Ballade beginnt und sich dann zu einem weiteren Brecher entwickelt. Unterstützung erhält sie dabei von Brock Lindow, Frontmann bei 36 Crazyfists. In „All Is Not Lost“ gibt sich Carl Schwartz, Frontmann der Hardcore-Punker First Blood die Ehre. „Disillusion“ dürfte den Moshpit vor der Bühne endgültig zum Überkochen bringen, aber auch die anderen Songs sorgen auf Konzerten garantiert für blaue Flecken. Das Album überrascht durch unterschiedliche Stileinflüsse. Obwohl sich die Band dem Hardcore Metal verschrieben hat, geht es auch rockig zu. Als Bands, die sie mögen, nennen The Tex Avery Syndrome nicht umsonst unter anderem AC/DC und Lamb of God. Zwar halten sich die Einflüsse der australischen Hardrocker in Grenzen, aber mit den Metallern aus Richmond kann man TTAS durchaus vergleichen. Jedoch nur, was die Stilrichtung angeht, denn die Band wirkt eigenständig genug, um sich einen Namen in der Szene machen zu können.

(Thomas Williams)


Impromptu – Impromptu

Im Sommer besuchten wir das „Krach am Bach“ Festival in Beelen, wo sich Stoner und Psychedelic Bands aus unterschiedlichen Ländern die Klinke in die Hand geben. Als die Band Impromptu uns kurz darauf um eine Rezension zu ihrem neuen Album bat, ahnte ich noch nicht, dass mir der Durchgang ein heftiges Déjà-vu verpassen würde. Impromptu würden so gut in das Line-up passen, dass ich sie vor meinem inneren Auge bereits auf einer der Bühnen habe stehen sehen. 

 

Die Hardrocker aus Porta Westfalica verstehen ihr Handwerk. Das eine oder andere Riff mag einem bekannt vorkommen, aber das fällt kaum ins Gewicht. Impromptu machen auch kein Geheimnis draus, dass sie sich von Alternative Bands oder auch Led Zeppelin inspirieren lassen. Und welcher Künstler ist nicht laufend auf der Suche nach Inspiration? Aus diesem Mix entsteht aber ein Album, das zwar Erinnerungen an diverse Bands weckt, aber auch vollkommen eigenständig wirkt. Mal groovig krachend, dann wieder melodisch langsam. Manchmal so trocken, dass man eine weite Wüste vor Augen hat und dann wieder rockig, dass man sich auf einem Konzert mitten im Publikum sieht. Den überschwappenden Bierbecher headbangend in die Höhe haltend. Impromptu machen vielleicht nicht viel Neues, reihen sich mit ihrem Album aber perfekt in die derzeitige Welle von Bands ein, die sich vom Sound der 60er und 70er inspirieren lassen.

(Thomas Williams)


Presslufthanna – Eingangsbereich

Du planst eine Reise in den hohen Norden – nach Kiel. Dabei denkst du zunächst an Ostsee, Hafen und Kälte? Alles zutreffend, auch wenn es im folgenden jetzt stürmisch und zugleich heiß wird. Dafür sorgt (nicht erst seit heute) Rapperin Presslufthanna aus Kiel. In Zusammenarbeit mit dem Münsteraner Label Blumeblau erschien mit „Eingangsbereich“, bereits Anfang März ihr Vinyl-Debüt. Dabei erwarten den Hörer insgesamt acht „ehrliche“ Hip-Hop Tracks, welche von Oskar Hahn und Plusma produziert wurden. Die derben Cuts von Jona Gold, Teleluke, DJ Polar und Sotah runden die Platte perfekt ab. Für alle ohne Plattenspieler gibt es die EP ebenfalls auf allen gängigen Streaming-Plattformen sowie zum Download auf Bandcamp/iTunes. Hip-Hop braucht definitiv mehr davon.

(Ben Fuchs)


Primetime Failure – Memory Lane

Während die einen Promo betreiben, schaffen andere Tatsachen: Die Pop-Punk-Band Primetime Failure veröffentlichte zwei Jahre nach „Home“ am Freitag ihr Album „Memory Lane“. In acht Tracks halten die Bielefelder das, wofür sie stehen: Skate-Punk mit stringenter 90er Attitüde. Da werden bei Mitdreißigern zwangsläufig Erinnerungen an schönere, Social-Media-freie Tage wach … Erneut aufgenommen im Tiny Pond Studio Hannover, sind die Songs auf „Memory Lane“ schnell und eingängig. Genau richtig, um beim nächsten Konzert von Primetime Failure komplett auszurasten, beispielsweise beim Hamburger Booze Cruise Festival im kommenden Monat oder beim Bielefelder Summer Soundz im Juli. Das grandiose Artwork stammt von SBÄM, der schon für Bands wie NOFX, Pennywise und Sum 41 tätig war. „Memory Lane“ ist ab sofort auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wer es ursprünglicher mag, bekommt das Album auch als wunderschöne Vinyl, samt Siebdruck auf der B-Seite von Fairtrade Merch.


Fab Kush – Family Guy EP

Man könnte meinen, dass das Klischee „Rapper und gleichzeitig Familienmensch“ nicht zueinander passen. Fab Kush beweist mit seiner EP „Family Guy“ (VÖ 13.07.2019) das Gegenteil. 

Er liefert eine sechs Song starke „EP“ aus der Sicht eines sich sorgenden, motivierten und fleißigen Vaters. Die EP ergreift mit treibenden und auch ruhigen Songs die Hörerschaft und nimmt sie mit auf eine Reise in der sich vor allem auch Eltern wiedererkennen können. Der umtriebige und nimmer ruhende Fab Kush zeigt auf seiner Platte, dass er erwachsen geworden ist.

Musikalisch wird er am Bass von Subsonic und mit Cutz von Dj Mirko Machine und Dj Rapit unterstützt. Die Beats kommen aus der Schmiede von Tony Crisp, Mad Cap, Haze der Bastla und DJ Knick Neck.

Als Rapgäste konnten Prok (Rhymez&Prok) und Mr.Jawbone (Ü3Punkt0/Ragganoia) gewonnen werden. Die EP erscheint über Art 4 Real auf CD und digital über alle gängigen Kanäle. Als kleine limitierte Auflage gibt es eine exklusive Tapeversion mit allen Instrumentals und einem Bonustrack zusammen mit Clishé MC. (Text/Foto: PR)


Shoreline – Eat My Soul

Das Debüt „Eat My Soul“ zeigt die Band nur eineinhalb Jahre nach ihrer Debüt-EP eindrucksvoll gereift! Nach ausgedehnten Touren in ganz Europa, u. a. als Support für Hot Water Music oder Adam Angst melden sich Shoreline aus Münster zurück. Die junge Band präsentiert einen facettenreichen Longplayer, der inhaltlich zwischenmenschliche Konflikte in besonderen Situationen thematisiert. Das Album entstand größtenteils auf Tour, so geht es um das Gefühl des Nicht-Zu-Hause-Seins, wenn Lebensereignisse wie der Tod eines Verwandten, Konflikte mit dem Partner oder Freunden aus einem Tourvan heraus erlebt werden. Musikalisch bewegen sich Shoreline mit „Eat My Soul“ im Spannungsfeld von The Menzingers bis hin zu Title Fight und vereinen ihre Wurzeln aus dem Punkrock mit frischen Einflüssen aus Emo und Indie. (pr)


Jace – Without Frontiers

Jace „Without Frontiers“ ist eine Schweizer Instrumental Vinyl mit 14 Anspielstationen. Nach vielen schweiz-deutscher Collabo-Projekten kommt Jace mit seinem Vinyl Debüt um die Ecke und schafft es dabei, mit klassischen Sample Sound am Puls der Zeit zu bleiben. Boom Bap, der über alle Grenzen hinaus seine Hörerschaft sucht. Bonustracks liefern Martin Meiwes und Manew. Cover by Blaesi Art, Master by Pawcut. Noch Fragen? (pr)


zero/zero – In Schönheit sterben

Klimawandel, Populismus, Krieg – aber immerhin geht diese Welt geil zu Grunde. Gebannt in 1080 mal 1080 Pixeln. Hauptsache sexy. Mach mal Story, zero/zero macht den Soundtrack dazu. Aus der Bubble direkt in das lachende Filter-Gesicht der ersten Welt. Sterben müssen wir sowieso, dann sollten wir dabei wenigstens schön aussehen. Ich nehme dann noch einen Soja Latte, war’s das? Mit ihrer neuen EP „In Schönheit sterben“ führen zero/zero das weiter, was sie auf „Erste Welt“ und „Schlangenöl“ begonnen haben. Satirische und sozialkritische Texte im Gewand von eingängigen Melodien und Refrains. (pr)


Don’t Call It Dad – Flowers

Wenn ich ehrlich sein soll, hätte ich dem Debütalbum „Flowers“ von Don’t Call It Dad nicht viel Beachtung geschenkt. Denn passend zum blumigen Titel sieht man auf dem Cover natürlich eine leicht verwelkte Blume, und das alles lässt nicht gerade auf Melodic Hardcore schließen, den die junge Bielefelder Band spielt. Aber hier wird nicht auf der Blumenwiese getanzt, sondern alles in den Boden gestampft. Don’t Call It Dad legen ein starkes, sehr abwechslungsreiches Debüt hin. Mit Songs, die den Moshpit vor der Bühne zum Kochen bringen sollten und mit solchen, die fast wie Balladen klingen, jedoch gleichzeitig zum Headbangen anregen. Solltet ihr also auf der Suche nach neuen Heavy Metal Alben ein scheinbar harmloses Cover sehen, mit einer gelben, verwelkenden Blüte, dann wundert euch nicht, sondern hört mal rein. Es lohnt sich. Mich persönlich hatte die Band schon beim zweiten Song „Changing Seasons“ überzeugt. Die erste Single des Albums „être“ wurde bereits mit dem dazugehörigen Musikvideo im März 2018 veröffentlicht und erschien auf dem Soundz of the City Sampler der Auftakt – Musikkooperative Bielefeld e. V. im Mai 2018. (Thomas Williams)


LEAD Inc. – Mirage

Erst einmal Hut ab wegen der gelungenen und sauberen Produktion, welche von LEAD Inc. in Eigenregie durchgeführt wurde. Da gibt es von meiner Seite aus nichts zu meckern, denn „Mirage“ hat alles, was ein Studioalbum ausmacht. Musikalisch bewegt sich die Band im Progressive Metal/Rock und erinnert, was das Instrumentale betrifft, am meisten an Tool. Die Songs sind fast durchgehend ruhig, fast schon meditatös. Womit sie sich aber ganz weit von Tool entfernen, ist die Stimme von Sängerin Naomi. Ihr Cleangesang passt wunderbar zu den ruhigen Melodien, in den härteren Momenten des Albums überrascht sie mit aggressiven Growls. Dass diese sich aber nur selten zeigen, gehört zu den Stärken des Albums. Die Songs zeigen sich damit durchdachter. Die Band selber nennt Tool als großen Einfluss, was nicht schlecht sein mag, denn Fans dieser Band sollten LEAD Inc. definitiv mal antesten, jedoch wäre etwas mehr Eigenständigkeit wünschenswert. Da „Mirage“ aber erst das Debütalbum der Band ist, kann in Zukunft noch viel passieren. (Thomas Williams)